Upcycling-Projekt: Aus einem alten Küchenschrank wird eine Werkbank
Ein ausrangierter Küchenschrank aus den sechziger Jahren stand wochenlang in der Garage. Die Türen waren verzogen, die Rückwand hatte Wasserflecken, und trotzdem brachte ich es nicht übers Herz, das massive Eichenholz zum Sperrmüll zu geben. Also entstand der Plan, das Möbelstück in eine funktionale Werkbank für die heimische Bastelwerkstatt umzuwandeln. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem Neukauf: Die alten Schubladen laufen bereits seit Jahrzehnten zuverlässig, und das Holz ist dichter und stabiler als das meiste, was heute im Baumarkt angeboten wird.
Zuerst wurde der Schrank vollständig zerlegt. Die Sockelleiste ließ sich mit einem Stemmeisen lösen, die Rückwand aus Hartfaserplatte wanderte in den Restmüll. Für die spätere Arbeitsfläche brauchte ich eine durchgehende Platte, die den gesamten Korpus überspannt. Wer ähnliche Umbauten plant, findet unter einer Anleitung zu Platte, Beinen und Kanten einer Tür brauchbare Hinweise zum Zuschnitt und zur Befestigung, die sich direkt auf den Schrankkorpus übertragen lassen. Die alten Schubladen wurden gereinigt, mit Schleifpapier von Lackresten befreit und anschließend zweimal mit Hartwachsöl behandelt.
Der Korpus bekam eine neue Bodenplatte aus Siebdruckplatte, damit Feuchtigkeit aus dem Garagenboden keine Chance hat. Die Arbeitsfläche entstand aus einer 40 Millimeter starken Buchenholzplatte, die ich auf Maß gesägt und mit Flachdübeln auf dem Schrank befestigt habe. An der Rückseite montierte ich eine Lochwand aus alten Regalbrettern, an der heute Zangen, Schraubendreher und Feilen hängen. Die Höhe musste angepasst werden, weil ein Küchenschrank naturgemäß niedriger ist als eine Werkbank. Unter jeden Fuß kam deshalb ein Kantholz aus dem gleichen Eichenholz, verschraubt mit langen Spanplattenschrauben, die durch den Schrankboden bis in die Sockelkonstruktion reichen.
Das Ergebnis ist keine Designwerkbank, aber ein stabiles Arbeitsmöbel, das keinen Cent für Neumaterial gekostet hat. Wichtig war vor allem, sich vorher Gedanken über die Statik zu machen: Ein Küchenschrank trägt keine Hammerschläge auf der Arbeitsfläche, wenn die Verbindungen nicht verstärkt werden. Wer das berücksichtigt, spart Geld und Ressourcen. Der Schrank steht jetzt in der Werkstatt und erfüllt seinen Zweck besser als vorher in der Küche.